Chronik

[historische Bilder]
Und sind auch die Zeiten oft leicht übertrieben, in einem Punkt sind wir uns treu geblieben, und das ist die Fastnacht im Astheimer Land. Sie ist wieder da, und mit heiterer Hand kommt sie jetzt herüber vom Rheinesstrom, sie winkt unserm Gockel auf dem Astheimer Dom, sie grüßt unsern Schwarzbach, und sie winkt unsre Belle, mit Zepter, Bajass und Narrenschelle. Und was alles zappelt und krabbelt da unten, das freut sich, dass sie uns hat wieder gefunden. Wir rufen ihr zu bei Weiß-Rot-Gelb und Blau: Mit dem Wort der Narren: Astheim, helau!

Bis schließlich der Beginn des "Dritten Reiches" und der zweite große Weltkrieg dieser schönen Entwicklung ein diktatorisches Halt gebot. Bereits 1933 nahm man dem närrischen Leben gegenüber eine kritische Stellung ein. Die Meinungsfreiheit wurde eingeschränkt, schließlich verboten. Die Bürgermeister wurden angehalten, entsprechende Verbote auszusprechen.

Wie schnell aber Frohsinn, Lachen, Freude und Heiterkeit dem Menschen über Not und Hunger, Elend und Verzweiflung hinweghelfen können, zeigte sich an der Mentalität der damals 1000-Einwohner-Gemeinde Astheim. Jetzt trug der Samen, der im vorigen Jahrhundert gelegt worden war, seine ersten Früchte. Während ringsum im Land die Menschen oft noch apathisch der neuen Ära zuströmten, entwickelte sich in dieser Fastnachtsinsel impulsiv der Gedanke, die Narretei schnellstens wieder aufleben zu lassen. Es begann mit der traditionellen Altweiberfastnacht, dem abendlichen Umherziehen vermummter Gestalten. Es erweiterte sich in kleinsten karnevalistischen Zusammenkünften in Gaststätten, und es gipfelte schließlich in einem ersten öffentlichen Auftreten. Tabellarisch sollen diese Anfänge gezeigt werden:


Fastnachtssonntag 1947:

Die Sport- und Kulturgemeinde Astheim veranstalte einen Maskenball.

Fastnachtsmontag 1947:

Sitzungsähnliche Veranstaltung des katholischen Kirchenchores in der Gaststätte "Zur Stadt Mainz".

Fastnacht 1948:

Kappenabend des katholischen Kirchenchores im Saal der Gastwirtschaft Wenzel.

Nach all diesen Veranstaltungen reifte innerhalb kurzer Zeit der Gedanke, das seitherige Karnevalsgeschehen intensiver zu gestalten und in eine einheitliche Form zu bringen. Die Geburtsstunde des jetzigen ACA war ganz nahe gerückt.

Eine kleine Schar Astheimer Bürger fand sich am 26.März 1949 in der Gaststätte "Zur Stadt Mainz" zusammen und gründete den "Astheimer-Carneval-Ausschuss". Die offizielle Gründungsversammlung, von Bürgermeister Peter Burger einberufen, fand im Mai 1949 in obiger Gaststätte statt. Eingeladen waren alle Ortsvereine und interessierte Bürger. Das Protokoll verzeichnete folgende Gründer:


Balder, ReinholdBender, PeterBurger, PeterEiers, Martin
Finger, JakobGrünewald, FriedrichGutmann, HeinrichHeck, Johann I.
Jankowski, RudolfKann, AndreasKeller, FranzLamberth, Georg
Mindnich, AntonPelz, PeterRoos, JakobRoos, Josef
Seemann, PhilippSchoder, FritzSeemann, GeorgSeemann, Josef
Roos LudwigSpottka, Eduardvon der Au, Philipp

Diese Versammlung war von folgenden Gedanken getragen:

  1. Die in das vergangene Jahrhundert hinreichende Fastnachtstradition soll in verstärktem Maße gepflegt und der breiten Öffentlichkeit gebracht werden.
  2. Es soll kein Carnevalverein bestehen.
  3. Die neu gegründete Organisation gibt sich den Namen "Astheimer Carnevals-Ausschuß", ist eine Dachorganisation und umfasst unter dem Leitwort "Alles unter einem Hut" alle Ortsvereine, -korporationen, -verbände und interessierte Bürger.
  4. Der ACA ist bestimmender Faktor der Astheimer Fastnacht und hat einen eigenen Vorstand.
  5. Franz Keller, Major a.D., wurde zum 1.Vorsitzenden berufen.

Die fastnachtliche Entwicklung nahm grundlegende Formen an. Am 1.Oktober bildete man unter Sitzungspräsident Fritz Schoder ein erstes Elfer-Komitee und bereits am 12.November 1949 rollte die erste eigene Narrensitzung über die Bühne. Der Fastnachtssonntag des Jahres 1950 erlebte erstmalig nach dem Kriege einen organisierten Zug mit einem eigenen Prinzenpaar.


Die Eckpfeiler der Astheimer Fastnacht

Der Rosensonntagszug

Der "Narrenstein" war ins Rollen gekommen, und er rollt bis zum heutigen Tage weiter, gleichmäßig und selbstverständlich. Das gesamte Umland war auf die kleine Riedgemeinde Astheim aufmerksam geworden. Die sich jährlich wiederholenden Fastnachtszüge am Fastnachtssonntag ließen immer mehr Besucher herbei strömen. Astheims Straßen sahen an diesen Tagen ein Konglomerat närrischer Menschen. Dabei verläuft der Zug noch heute nach einem ganz strengen Zeremoniell:

  1. Einholen der Prinzenpaare
  2. Schlüsselübergabe am Rathaus
  3. Zugablauf
  4. Endproklamation

Sicher war die Zusammensetzung der ersten Astheimer Umzüge noch etwas bescheiden, aber alle teilnehmenden Vereine taten ihr Bestes, gestalteten in einem harmonischen abgesprochenen Themenkreis erstaunliche Motive. Es wurde in den Wochen und Tagen vor dem Fastnachtszug in Scheunen, Höfen und Hallen gehämmert, gezimmert, geplant und gemalt. Viele Stunden am Abend und am Wochenende wurden geopfert, und oft wurde noch kurz vor Beginn des Zuges die letzte kleine Verbesserung oder Veränderung getätigt.

Im Laufe der Jahre wurden die Astheimer Fastnachtsumzüge größer, prunkvoller, aktueller und farbenprächtiger. Bald mußten die alten herrlichen Pferdegespanne, bedingt durch die Modernisierung der Landwirtschaft, durch Traktoren abgelöst werden. Aber das war eine Selbstverständlichkeit der Zeit.

Der Besucherstrom wuchs. Die Zufahrtsstraßen nach Astheim waren an den Nachmittagen des Fastnachtssonntages überfüllt. Die Fastnachtshochburg Astheim war aus dem Karnevalsgeschehen nicht mehr wegzudenken. Die ausgezeichnete Resonanz der Astheimer Fastnachtszüge fußt aber nicht alleine auf der guten Beteiligung der einheimischen Gruppen und Wagen. Die Vergrößerung und Bereicherung des bekannten Narrenlindwurmes der Mainspitze ist auch auf eine Mitwirkung vieler Teilnehmer ( Wagen und Fußgruppen ) der Nachbargemeinden und befreundeter Garden zurückzuführen. Die Zuschauerzahlen steigen jährlich, und weit über zehntausend Besucher säumen die Ortsstraßen, wenn der Astemer Zuch in seiner farbenfrohen Pracht, gemischt aus Garden, Musikzügen, Fußgruppen und Motivwagen seinen Weg nimmt.

Die Sitzungen

In den ersten Jahren des Bestehens des ACA waren ausgesprochene Fastnachtssitzungen für die nähere Umgebung unseres Heimatraumes noch Raritäten. Was für Astheim selbstverständlich war, bedeutete für die Nachbarorte fast eine Unmöglichkeit. Deshalb veranstaltete der ACA nicht nur in eigenen Mauern Sitzungen, eine Haupt- und eine Fremdensitzung. Er trug die Karnevalsidee auch in die Nachbarschaft hinaus. Die Sitzungen selbst fanden bis zum Jahre 1969 im Saalbau Krummeck-Klee statt. Durch bauliche Veränderungen wurde der Saal der Gaststätte Gabel-Jung zur neuen Narrhalla, ehe mit dem Bau des neuen Astheimer Bürgerhauses ein Großraumsaal geschaffen wurde, in dem man eine weit größere Besucherwerbung starten konnte.

Heute veranstaltet der ACA neben einer Altensitzung jährlich zwei Prunksitzungen sowie eine Damensitzung, die in ihrer Unwüchsigkeit, Originalität und Farbenpracht dem Besucher ein optimales Bild noch gebliebener, echter Fastnacht vermitteln. Wer geglaubt hat, daß sich in über fünf Jahrzehnten eine gewisse Müdigkeit im Besuch der Sitzungen ausbreiten würde, mußte sich eines anderen belehren lassen. Das Interesse blieb ständig erhalten. Und es ist ohne Zweifel den Faktoren zu verdanken, aus denen sich seit Beginn der Fastnacht das Programm der Sitzungen zusammensetzt: Abwechslungsreichtum in Prosa und Gesang, Wechsel von Büttenreden, Gesangsgruppen, Tanz und Zwiegesprächen. Dazu kam, daß die lokale Narretei dominierte, die große Politik immer nur in bescheidenem Maße behandelt wurde.

Es wurde zwar als schmerzlich empfunden, daß im Jahre 1991 Sitzungen und Zug, durch die Irakkrise bedingt, ausfielen. Umso farbiger war der Auftakt im folgenden Narrenjahr. Auch die weiteren Jahre, bis zum diesjährigen Jubiläum, brachten eine erstaunliche Steigerung an Sitzungsprogrammen und Besucherzahlen. Unter einem stark verjüngten Herrenkomitee hat der ACA für seine närrischen Saalfeste keine Nachwuchssorgen, denn eine seit einigen Jahren eingeführte Kinder- und Jugendsitzung schuf die Basis für gute Nachwuchskräfte. Weit über Astheims Grenzen hinaus bekannt wurde die Damensitzung. Hier regiert ein neues, jüngeres Damenkomitee und erstmalig steht im Jubiläumsjahr eine zweite Damensitzung auf dem Programm.

Sicher trug auch der Umbau der Bürgermeister-Jakob-Roos-Halle zu diesen positiven Steigerungen bei. In einem modern veränderten Raum, mit neuer Bühne und entsprechendem Bühnenbild, erlebt der Besucher und Betrachter eine völlig andere Atmosphäre. Ein verjüngter Vorstand trug natürlich zu diesem fruchtbaren Fastnachtsleben bei. Und auch die ACA-Garden, von den Bambinis bis zur Prinzengarde, zeigen nicht nur unter aktiven Betreuerinnen und geschulten Übungsleiterinnen ein reges aktives Leben, sie bilden auch Garantien für die Sitzungen und das gesamte fastnachtliche Umfeld während des Jahres. Die Garden stehen nicht nur in der Fastnachtszeit zur Schau. Sie leisten auch bei anderen Veranstaltungen in Astheim und in der Nachbarschaft bei festlichen Anlässen ausgezeichnete repräsentative Arbeit. Wenn wir ein Fazit der vergangenen Jahre nach dem letzten Jubiläum ziehen: Der ACA feiert jetzt sein 55-jähriges Jubiläum. Die Astheimer Fastnacht ist viel älter, das haben wir aus den Annalen ersehen. Sie hat sich aber im Laufe der Jahrzehnte aus einem engen lokalen und konservativen Korsett befreit. Sie ist großzügiger geworden, moderner und offener. Sie hat die Tore Astheims der Nachbarschaft und dem Umland geöffnet und läßt sie besonders in den letzten Jahren, an Sitzungen und Zug teilnehmen. Eine Generation löst langsam, aber beständig, die Veteranen ab. Das Jubiläum, das der ACA jetzt sicher mit Pracht und echtem Astheimer Frohsinn feiert, ist eine Bestätigung: Astheim ist einer Idee treu geblieben:
Der Heimatliebe und der närrischen Freude.

Besonderheiten

Der ACA veranstaltet zu Beginn eines jeden Jahres einen Neujahrsempfang im Astheimer Bürgerhaus. Beginnend mit einem Fackelzug durch Alt Astheim versammeln sich Vorstand, Komitee und Garden, die Einwohnerschaft eingeschlossen; das jeweilige Prinzenpaar wird vorgestellt.

Am jeweiligen 11.11. treffen sich alle Karnevalsvereine der Mainspitze im Wechsel zu einer Gemeinschaftsveranstaltung.



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Klaus Langenstein
Gustavsburger Straße 17
65468 Trebur (Astheim)

Telefon: 06147 7695
Email-Adresse:
klaus.langenstein@aca-astheim.de

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